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Posted 25. Juli 2012 by Entertainweb in Kino
 
 

John Carter – Zwischen zwei Welten: Mit Disney auf dem Mars / Review


Kommerziell nicht unbedingt der erfolgreichste Film des Walle-E-Regisseurs Andrew Stanton. Thematisch und inszenatorisch jedoch mehr als einen Blick wert: John Carter – Zwischen zwei Welten.

Die titelgebende Buchvorlage aus der Feder von Tarzan-Erfinder Edgar Rice Burroughs existiert bereits seit satten hundert Jahren. Trotz großem Potenzial und der Tatsache, dass die Abenteuergeschichte Meisterwerke wie Avatar und gar Star Wars beeinflusste, scheiterte so mancher Regisseur beim Versuch, Burroughs’ Werk auf die Leinwand zu bringen. Warum? Des technischen Aspektes wegen, wie Andrew Stanton im Interview mit entertainweb verrät. Das Vorhaben Stantons, die Comicvorlage endlich in Bewegtbilder zu verwandeln, war ein anspruchsvolles. Die Aufmerksamkeit der Fans entsprechend groß. Dem Grundgedanken des Ur-Autors blieb der Regisseur bei seiner Inszenierung treu – und verzichtet dennoch nicht auf die eigene Note.

John from Mars
Unser titelgebender Held (Taylor Kitsch) lässt sich nicht so recht in eine Schublade stecken. Als Bürgerkriegsveteran will er mit der Armee nichts mehr zu tun haben, weigert sich, gegen die Indianer zu kämpfen. Die Tatsache, dass seine Frau während des Kriegstreibens ihr Leben lassen musste, bestärkt ihn in seiner Entscheidung. Dennoch wird er vom Krieg nicht verschont. Auf der Flucht vor dem Kampfgetümmel verliert er das Bewusstsein, um sich anschließend auf dem Mars wiederzufinden. Oder auch Barsoom, wie die Einwohner ihren Planeten nennen. Ehe er sich versieht, wird er auch schon von den sogenannten Tharks, grünen Marsianern, gefangen genommen. Durch seinen menschlichen Körper trotzt er der Schwerkraft und vollführt Sprünge in luftige Höhen, was ihm schon bald den Respekt des Tharks-Anführers Tars Tarkas (Willem Dafoe) einbringt. Doch die Tharks sind nicht die einzigen Bewohner. Die Zodangans sind die rivalisierende Partei, deren Anführer Sab Than (Dominic West) die Prinzessin Dejah Thoris (Lynn Collins) zur Frau will. Klar, dass da ein Scharmützel zwischen den beiden Parteien vorprogrammiert ist. Carter gerät zwischen die Fronten und verliebt sich obendrein noch in die schöne Dejah.

Solides Handwerk
Stanton glänzte in der Vergangenheit ja bekanntlich eher durch Animations-Produktionen für Pixar. Mit John Carter tobt sich der Oscar-Preisträger nun erstmals im Live-Action-Segment aus und was er abliefert, überzeugt größtenteils – auch durch geschickt eingesetzte Motion-Capture-Technik. Vor allem in 3D ist die Effektgewalt, die Stantons Team auf den Bildschirm zaubert, überragend. Kaum verwunderlich bei dem stattlichen Budget von 250 Millionen US-Dollar. Die zahlreichen Kämpfe sind packend in Szene gesetzt – auch wenn die Sets teilweise schon eher B-Movie-Charme versprühen, denn einer Multimillionen-Dollar-Produktion zur Genüge reichen. Und offen gesagt: John Carters Luftsprünge werden mit zunehmendem Handlungsverlauf immer noch höher und dramatischer – und dadurch leider auch immer lächerlicher. Das wäre sicher auch etwas dezenter gegangen. Dennoch: Die Schauspielriege überzeugt durch Spielfreude, und im Falle Kitschs auch durch seine physische Leistung. Vor allem der Kombination aus Kitsch, der den harten Hund gibt, und Collins, die in der Rolle der taffen Prinzessin aufgeht, merkt man das Potenzial deutlich an. Klar, sind die beiden dank ihrer Rollen in X-Men Origins: Wolverine doch im wahrsten Sinne des Wortes ein eingespieltes Team. Der ein oder andere Gastauftritt, beispielsweise von Breaking Bad-Star Bryan Cranston oder Dominic West (The Wire) runden die Darbietung ab.

Fazit:
Trotzdem wird John Carter nicht jeden Fantasy-Fan überzeugen. Teilweise lässt sich der Film etwas zu viel Zeit mit dem an-Fahrt-aufnehmen und auch die Handlung macht – und da kann man dem Film noch nicht mal einen Vorwurf machen – einen teils abgenutzten Eindruck. Schließlich nahmen sich Borroughs’ Werk viele Regisseure bereits vor Zwischen zwei Welten als Vorbild. Stanton ist sich dieser Tatsache jedoch bewusst und setzt bei der Inszenierung auf eine ordentliche Prise Ironie. Wer sich darauf einlässt, wird gut unterhalten.