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Posted 12. April 2016 by Philipp Rogmann in News
 
 

WGL Grand Finals Warschau: der eSport hat neue Helden

WGL_GF_2016_header
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Wenn es nach dem Endergebnis geht, wussten schon alle Experten, was am Ende des Finales in World of Tanks geschehen würde: Natus Vincere (Na’Vi) und Hellraisers würden im Finale aufeinandertreffen, der Sieger würde Na’Vi heißen. Obwohl sich diese Konstellation und dieses Ergebnis am Ende bewahrheiteten, war nicht alles so einfach vorherrsehbar bei diesen Grand Finals der Wargaming.net League in Warschau. Wir blicken zurück auf einen Event, der die Pro-Gamer durch eine Berg- und Talfahrt der Emotionen schickte; Helden wurden geboren und unglückliche Spielzüge führten zu unglaublichen Szenen.

World of Tanks als eSport-Happening

Wie Mohamad Fadl, seines Zeichens Head of Global Competitive Gaming bei Wargaming, schon so richtig sagt: World of Tanks ist per se kein eSport-Titel gewesen, es musste einiges geschehen, um die richtige Infrastruktur zu erschaffen. Dabei haben Wargaming nicht nur von den Besten gelernt und etablierte Turnierformate von eSport-Klassikern wie Counter-Strike, League of Legends oder StarCraft analysiert, es wurde auch ständig an allen Facetten gearbeitet. Das kann man, wenn man die Entwicklung von World of Tanks zum eSport verfolgt, leicht sehen. Die Wargaming.net League hat nun online und offline Turniere und Qualifier, die Grand Finals in Warschau sind ein echtes Happening mit echten Emotionen und 300.000 US-Dollar Preispool.

Der nächste Schritt, den das eSport-Team von Wargaming angehen wird, ist laut Fadl die Umstellung auf das 15vs15-System in World of Tanks. Zurzeit sind die meisten Karten, auf denen gespielt werden, sowieso für 15vs15 ausgelegt, da sie aus dem normalen Spielbetrieb stammen (außer extra für 7vs7 angelegte Karten). Da die Turniere bis jetzt im Modus 7vs7 gespielt werden, sind die Karten oftmals so groß, dass es sehr lange dauert, bis die Action startet. Die Umstellung auf so große Teams bedeutet einige Hindernisse, die es zu überwinden gilt. Es geht damit los, dass die Teams sich vergrößern müssen. Im eSport bedeutet das viel mehr, als nur ein paar neue Spieler zu rekrutieren: Die Teams müssen harmonieren, Taktiken müssen geändert werden. Mehr Equipment muss angeschafft und abgestimmt werden und die Reisekosten erhöhen sich – wenn es zu Offline-Turnieren geht. Die Sponsoren müssen sich ebenfalls auf höhere Kosten einstellen, wenn sie die Teams mit Hardware ausstatten.

Der Weg zur Weltmeisterschaft

Wie schon vorher angesprochen, waren sich alle Analysten und Kenner einig, dass entweder Hellraisers oder Na’Vi die Krone erringen würden. Und obwohl sich diese Paarung auch als erstes Spiel schon spannend gestaltete, war alles nicht so simpel wie gedacht. Hellraisers und Na’Vi gingen stark durch das Turnier, andere Teams wie Wombats on Tanks (ehemals Virtus.Pro, das Team hat sein World of Tanks Squad aufgelöst) oder Not So Serious spielten zwar gut, hatten aber gegen die Titelverteidiger (Na’Vi hatte 2014 gewonnen, Hellraisers 2015) nicht wirklich eine Chance. Als deutscher Beobachter fieberten wir natürlich mit Kazna Kru, die drei deutsche Spieler mitgebracht hatten. Zwar gewannen Kazna eines ihrer Vorrundenspiele, mussten sich aber eindeutig Na’Vi geschlagen geben.

Ein Finale wie eine Achterbahn

Am Samstagabend war es dann soweit: Hellraisers und Na’Vi standen sich im Grand Final gegenüber. Und es sollte ein ungemein spannendes Finale werden, geprägt von unglaublichen Einzel- und Teamleistungen. Gleich zu Anfang nahmen Hellraisers Na’Vi die ersten zwei Runden ab, dann schafften Na’Vi nicht nur den Ausgleich, sondern zogen mit 4:2 in Führung. Hellraisers schafften den Ausgleich und es kam zu Einzelrunden, die abwechselnd an die Teams gingen. Der Tie Breaker musste alles entscheiden.

Applewow von Hellraisers steckt in Finale fest

Und hier kam es zu einem Fehler, der am Ende Hellraisers den Sieg kostete und Na’Vi als Sieger hervorgehen ließ: Applewow vom Team Hellraisers hatte in einer der vorigen Runden Großes geleistet, unter anderem alleine gegen drei Na’Vi-Spieler gewonnen. In dieser wichtigen Runde versagten seine Nerven und er machte einen folgenschweren Fehler. Noch zwei Hellraisers-Spieler waren am Leben, nur noch Inspirer von Na’Vi war dabei. Applewow wollte nun auf einem Berg die Überhand gewinnen, unterschätzte die Physik des Spiels und rutschte rückwärts in ein paar Felsbrocken. Er konnte sich nicht befreien und musste tatenlos zusehen, wie Inspirer den vorletzten Hellraisers-Spieler vernichtete und von dannen fuhr. Inspirer merkte, dass Applewow nicht mehr weg kam und ließ die Uhr herunterticken. Der Sieger hieß Na’Vi, Applewow konnte trotz perfekter Turnierleistungen nur noch den Unglücksraben spielen.

So spannend kann World of Tanks sein, ein unglaubliches Finale, das Vorfreude auf 2017 macht. Wir gratulieren Na’Vi. Seien wir ehrlich: Nächstes Jahr kann der Sieger wieder jemand anderes sein. Wir sind gespannt.