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Posted 18. Juni 2010 by Philipp Rogmann in Plattform
 
 

StarCraft II – Vom n00b zum Pro


Die Multiplayer-Beta von StarCraft II: Wings of Liberty läuft jetzt schon eine Zeit und wer neu im Thema ist, hat praktisch keine Chance. Das liegt zum Einen daran, dass viele professionelle Spieler in der Beta sind und zum Anderen daran, dass die Lernkurve des Strategiespiels aus dem Hause Blizzard sehr steil ansteigend ist. Dazu ist der Fachjargon für Neueinsteiger undurchdringlich. Schaut man das erste Mal eine Liveübertragung eines StarCraft-Spiels, kann man dem Geschehen nicht folgen. Wir können Euch nicht zu echten Pro Gamern machen, aber versuchen, Euch die Tools an die Hand zu geben, effektiv zu lernen und zu trainieren. Nebenbei erklären wir ein paar der Fachbegriffe des Genres.

Von Build Order und Rush-Taktiken
Wenn Ihr Euch in Ruhe Replays (Wiederholungen) von Spielen anschaut, bei denen beide Kontrahenten wissen was sie tun, werdet Ihr sehen, dass am Anfang immer die gleichen Einheiten und Gebäude gebaut werden. Das hat einen guten Grund, denn die Reihenfolge und Geschwindigkeit, mit der bestimmte Taktiken ausgeführt werden können, hängen damit zusammen, wie Ihr baut. Man spricht von so genannten Build Orders (Baureihenfolgen), die getestet sind und perfekten Spielaufbau garantieren. Jede Rasse in StarCraft II: Wings of Liberty hat ein paar verschiedene Build Orders, die dann ab einem bestimmten Zeitpunkt in eine gewisse Richtung zu einer Taktik ausgebaut werden. Bedeutet also im Endeffekt: Die perfekte Build Order ist die Basis Eures Sieges.

Um zu verhindern, dass Euer Gegner Euch schnell zu Anfang überrennt, müsst Ihr die Choke Points zubauen. Klingt komisch? Ist aber ganz einfach: Jeder Ort, an dem eine Basis anfangs gebaut wird, hat einen Zugang, den man mit Gebäuden zubauen muss, damit man in Ruhe weiter Einheiten produzieren kann. Ein Choke ist eine enge Stelle, simple as that. Dass dieses Aussperren des Gegners sehr wichtig ist, werdet Ihr gleich noch sehen, wenn wir auf verschiedene Taktiken eingehen, die ein Match schnell entscheiden können. Genauso wichtig ist aber das Scouting, also das Ausspähen des Gegners. Sendet gleich zu Anfang eine Arbeitseinheit über Wegpunkte quer über die Karte, um zu erfahren wo der Kontrahent ist und was er genau baut. Die Verwertung dieser Informationen ist wieder eine andere Geschichte und verlangt ein bisschen Wissen. Denn: Der Tech Tree (Baureihenfolge der Einheiten) des Gegners bestimmt, mit welcher Art Taktik Ihr rechnen müsst. Es lohnt sich also, die anderen Rassen gut genug zu kennen, damit Ihr wisst, welche Einheiten aus welchen Gebäuden gebaut werden und welche Voraussetzungen bestehen. Nichts ist deprimierender als wenn Ihr nur Einheiten habt, die lediglich gegen Bodeneinheiten effektiv sind und Ihr zusehen müsst, wie der andere Spieler Eure Basis aus der Luft auseinander nimmt.

Einen Begriff werdet Ihr oftmals hören: Die „Fast Exe“. Hiermit ist gemeint, dass Ihr schnell einen anderen Punkt der Karte in Beschlag nehmt, der ebenfalls Rohstoffe zu bieten hat. Ihr könnt so Eure „Eco“ (Economy, also Wirtschaft) verdoppeln und mehr Einheiten in kurzer Zeit produzieren. Außerdem sorgt das schnelle Erweitern dafür, dass Ihr nicht sofort verloren habt, wenn der Gegner Eure Basis zerstört. Man baut in einer Expansion (Exe, Erweiterung) eine zweite Hauptbasis und baut dort Mineralien und Gas ab. Auch wenn diese noch so weit von Eurer Ausgangsbasis entfernt ist, werden alle Rohstoffe auf das Hauptkonto addiert. Man spricht dann auch oft von einem „Eco Win“, also einem Sieg durch eine ökonomische Übermacht – Euer Gegner kann so viele Einheiten auf Euch hetzen wie er will, Ihr habt immer genügend Rohstoffe, um mehr Einheiten zu bauen.

Zusammenfassend müsst Ihr also folgende Punkte im Kopf behalten und sie durch Übung erlernen: Die richtige Reihenfolge Eurer Einheiten (Build Order), enge Punkte und Zugänge zu Eurer Basis befestigen (Choke Points), den Gegner ausspähen, um zu erfahren, was er vorhat und wo er auf der Karte ist (Scouting) und dementsprechend reagieren können (Tech Trees der anderen Rassen lernen). Glücklicherweise ist StarCraft seit jeher dafür bekannt, dass es für jede Taktik und Einheit einen Counter gibt, da das Balancing dieses Strategietitels dafür gesorgt hat, dass StarCraft so beliebt ist.

Zerg Rush oder Pylon/Warpgate Rush?
Über die Jahre, die es StarCraft schon gibt – schließlich ist das erste Spiel schon vor über zehn Jahren erschienen – haben sich Taktiken herauskristallisiert, die man gut erlernen kann und die für maximalen Erfolg sorgen. Durch das perfekte Balancing könnt Ihr aber bei einem sehr guten Gegner nicht davon ausgehen, dass sie immer funktionieren. Es lohnt sich dennoch, diese Taktiken und Vorgehensweisen zu kennen, um den Kontrahenten von vornherein in Bedrängnis zu bringen. Pro Gamer nennen das „harassen“, also das Stören des Aufbaus des anderen. Es gibt Spieler, die mit einigen billigen Einheiten immer und immer wieder in der Basis auftauchen und Arbeitseinheiten einzeln zerstören. Das hindert am Ausbau der eigenen Wirtschaft und kann oftmals schnell dafür sorgen, dass Ihr noch nicht einmal genügend Einheiten habt, um einen Angriff abzuwehren. Nur allzu oft steht auf einmal eine ganze Armee in der eigenen Basis während man noch keine Abwehr hat. Dann heißt es „gg“ (Good Game).

Als erste Taktik möchten wir Euch den Zergling Rush der Rasse Zerg vorstellen. Unglaublich effektiv wenn Ihr die Taktik perfekt beherrscht. Nach zwei Minuten den Gegner besiegen? Ist absolut möglich. Aber vorsichtig: Wenn der Rush schief geht, dauert es sehr lange bis Ihr wieder handlungsfähig seid. Dieser Zergling Rush wird oftmals auch „Seven Pool Rush“ genannt und verlangt von Euch als Zerg, den Aufbau einer richtigen Ökonomie zu vergessen. Wahrscheinlich haben diese Taktik Leute entwickelt, die nur schnell vor einem Partyabend noch ein Match gewinnen wollten und einfach keine Zeit hatten, sich mit Feinheiten zu beschäftigen. Der Zergling Rush ist seit dem originalen StarCraft effektiv und hat sich fast überhaupt nicht geändert. Wie es funktioniert? Ihr baut lediglich sieben Arbeiter (sechs sind zu Beginn schon da), scoutet die Basis des anderen aus und baut dann bereits einen Brutschleimpool (Voraussetzung, um Zerglinge, die schwächste Kampfeinheit der Zerg, zu bauen). Ab diesem Moment lasst Ihr nur noch Zerglinge schlüpfen und setzt den Wegpunkt der Zerglinge in der Basis des anderen (Einheit markieren und mit Rechtsklick Wegpunkt in der Basis setzen). Die schlüpfenden Zerglinge greifen dann nicht die Gebäude des anderen an, sondern die Arbeiter. Ab diesem Punkt hat der andere keine Chance mehr. Er kann keine Rohstoffe abbauen und immer mehr Zerglinge überrennen seine Basis.

Sehr effektiv gegen Spieler, die sich nicht perfekt einmauern, aber aus oben genannten Gründen auch ziemlich gefährlich. Wie man diese Technik perfekt ausführt, seht Ihr in diesem kleinen Video. Man beachte die Zeit bis zum Ende des Matches.

Proxy Pylon/Gateway Rush
Diese komisch klingende Taktik ist extrem effektiv und kann nur von der Rasse der Protoss ausgeführt werden. Vorteil der Protoss in diesem Fall: Überall, wo ein Pylon steht, kann jede Art von Gebäude der Protoss gebaut werden. Stellt Euch vor, dass der Gegner einfach einen Wagen vor Eure Basis stellt, der konstant Einheiten abwirft. Obwohl die Protoss-Einheiten sehr teuer sind, könnt Ihr mit dieser Taktik sehr schnell gewinnen. Das Vorgehen ist eigentlich sehr einfach: Nachdem Ihr herausgefunden habt, wo die Basis des anderen auf der Karte ist, baut Ihr einen Pylon ganz in der Nähe. Passt auf, dass Ihr nicht gesehen werdet, sonst kann das schnell nach hinten losgehen. Beim Pylon baut Ihr dann zwei Warptore (Gateways), setzt den Wegpunkt der entstehenden Einheiten direkt in die Basis des Gegners und produziert einen Zeolot (Berserker) nach dem nächsten und lasst sie die Basis des Gegners angreifen. Obwohl Ihr hiermit nicht direkt gewinnt, habt Ihr doch die absolute Oberhand, denn Euer Kontrahent muss sich sehr defensiv verhalten um zu überleben. Währenddessen baut Ihr entspannt die eigene Wirtschaft auf, baut Einheiten und überrennt die Basis zum Schluss.

Im folgenden Video seht Ihr wie man diese Art Taktik perfekt anwendet.

Die Rächer der Enterbten
Beliebt bei Terraner-Spielern ist der „Reaper Harass“. Die Reaper (Rächer) sind sehr effektiv, da sie per Raketen auf dem Rücken über Klippen und Vorsprünge springen können. Somit kann eine kleine Einheit von Rächern immer wieder kurz in Eure Basis springen, ein paar Arbeiter töten und sie sind weg bevor Ihr etwas tun könnt. Diese Taktik erreicht ziemlich genau das, was auch die Protoss-Taktik von eben erreicht: Der Gegner muss sich eingraben und konstant Rächer abwehren und hat so keine Zeit, sich um die eigene Wirtschaft in Ruhe zu kümmern. Währenddessen könnt Ihr die ganze Karte in Beschlag nehmen und in Ruhe alles bauen, was Ihr braucht. Nach einer Zeit überrennt Ihr dann den Gegner. Wichtig ist allerdings: Gegen Zerg, die sehr günstig viele Einheiten produzieren können, funktioniert diese Taktik nicht sonderlich gut. Als Mirror-Match (gleiche Rassen auf beiden Seiten) oder gegen Protoss funktioniert die Taktik dagegen sehr gut.

Das Video zeigt nicht nur, wie man mit den Rächern stört, es wird auch die Build Order erklärt und genaue Details dazu, wann Ihr was am besten bauen solltet.

Es gibt noch viele andere Taktiken, die wir Euch beizeiten einmal vorstellen werden. Vergesst nicht, dass StarCraft II ein Spiel ist, in dem viele wirklich professionelle Spieler mitspielen. Selbst wenn Ihr immer wieder verliert, heißt das nicht, dass Ihr sonderlich schlecht seid. Lernt aus Euren Fehlern und beginnt, Standardsituationen zu trainieren. Dann könnt Ihr den Gegner richtig einschätzen und irgendwann seid Ihr besser als die Anfänger. Viel Spaß beim Üben!