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Posted 30. Juli 2010 by Philipp Rogmann in Plattform
 
 

StarCraft II: Wings of Liberty – Ein genialer Echtzeit-Hammer oder nur Marketing-Hype?


Was soll man über StarCraft schreiben? Einen Titel, der alle perfekten Elemente des Genres Echtzeitstrategie verbindet, dazu noch einen Haufen Abwechslung bietet und eine Story auf unsere Bildschirme zaubert, die jedem Spielfilm Konkurrenz machen könnte? Eigentlich ist damit alles gesagt. Ja, wir sagen es: StarCraft II ist im Moment das perfekte Beispiel für Echtzeitstrategiespiele, und es wird noch lange dauern, bis ein anderes Spiel daran kratzen kann. Doch die Vernunft verlangt danach, dass wir allen Aspekten auf den Grund gehen. Das machen wir mit diesem Review.

Raynor hat eine Geschichte
Von Anfang an war die Angst, dass nur Nerds StarCraft II genießen würden können. Eine große Fangemeinde und tausende Websites kümmern sich um das Thema. Warum sollte also jemand, der keine Ahnung von Echtzeitstrategie geschweige denn der Geschichte von Raynor, den Terranern, den Protoss oder den Zerg sich für dieses Spiel interessieren? Ganz einfach: Weil StarCraft II: Wings of Liberty alles richtig macht. Und wer kein Fan ist, wird es danach sicherlich sein. Doch was spricht dafür?

Die ersten Missionen, die Ihr erlebt, bringen Euch nicht nur die Geschichte und die wichtigsten Charaktere sehr einfach und verständlich näher, sie sorgen auch Schritt für Schritt dafür, dass Ihr die Steuerung erlernt. Selbst wenn Ihr noch niemals ein Echtzeitstrategiespiel angefasst habt: Nach den ersten Einführungsmissionen wisst Ihr, wie das alles funktioniert. Schon gleich zu Anfang sind die Missionen so abwechslungsreich, dass es einfach Spaß macht, die Grundlagen zu lernen. Das hatten wir lange nicht mehr. Normalerweise sind die Anfangsmissionen so einfach und langweilig, dass es sinnlos ist, die Missionen mit voller Konzentration durchzuspielen.

Von Einheiten, Upgrades und Helden
Jeder wird wird die Singleplayer-Kampagne von StarCraft II anders spielen. Das liegt zum Einen daran, dass Ihr an einigen Stellen wählen könnt, welchen weiteren Weg Ihr einschlagt. Zum Anderen könnt Ihr frei wählen, in welche Upgrades Ihr für Eure Einheiten investiert. Seien es mehr Lebenspunkte, mehr Feuerkraft oder ähnlich. Dann habt Ihr noch die Möglichkeit, Missionen so auszuwählen, dass Ihr den von Euch präferierten Forschungszweig weiter fortführt. Da gibt es zum einen Artefakte der Protoss, die es Euch erlauben, Technik der Protoss zu nutzen und dann ist da noch die Forschung der Zerg, die Ihr ebenfalls anzapfen könnt. Diese Forschungspunkte gibt es nicht nur durch stupides Einsammeln – an manchen Stellen müsst Ihr Minimissionen innerhalb der Mission absolvieren, um an Techniken heranzukommen. Jeder Forschungsbaum hat zwei Seiten. Nutzt Ihr die eine Seite, könnt Ihr die andere nicht mehr nutzen. Im Laufe der Kampagne stellt Ihr Euch so ein persönliches Portfolio an Waffen zusammen.

Durch das Erfüllen von Missionen bekommt Ihr immer eine gewisse Menge an Credits, die Ihr entweder für die oben genannten Technik-Upgrades nutzen, oder Euch die Dienste von verschiedenen Söldnern erkaufen könnt. Doch nicht alle Söldner sind sofort verfügbar, da sie Eliteversionen der Einheiten widerspiegeln, die Ihr im Laufe der Kampagne findet. Das ist der dritte Anreiz für die Missionen: Neben Forschungspunkten und Credits, bekommt Ihr noch neue Einheiten, die ab Ende der Mission bei Euch im Hangar verfügbar sind.

In manchen Missionen stehen Raynor oder andere Helden als Sondereinheiten zur Verfügung. Das ergibt noch mehr interessante Aufgaben. Es wird niemals langweilig in StarCraft II. Da gibt es Zugüberfälle, Stealth-Missionen, Massenschlachten, zeitlich eng abgesteckte Missionen und vieles mehr, das das Gamer-Herz begehrt.

Noch einmal mit Gefühl
Als wären nicht Umfang der Missionen, Tiefe der Story und Individualität schon genug, gibt es noch das Erfolgssystem. In drei Stufen bietet Euch jede Mission Erfolgspunkte. Zum Einen bekommt Ihr Punkte, wenn Ihr die Mission nicht nur überlebt, sondern alle Nebenaufgaben ebenfalls erfüllt. Dann gibt es spezielle Aufgaben in höherem Schwierigkeitsgrad, die wiederum Punkte geben. Das System funktioniert so gut, dass man jede Mission eigentlich noch mehrfach wieder versuchen will – nur um diese letzten Punkte doch noch zu bekommen.

Und worüber auch noch zu sprechen ist, ist die neue künstliche Intelligenz. Wo es früher noch so war, dass der Computer automatisch alles überblicken konnte und sofort reagierte, wurde die Programmierung fast „menschlich“ gemacht: Auch der Computer sieht Euch nur dann, wenn er Euch auf dem Schlachtfeld begegnet. Außerdem kann er auch nur nach den Regeln, die für Euch gelten, produzieren. Ein Beispiel: Vernichtet Ihr die Energiezufuhr an einer Stelle der Protoss, können sie dort nicht mehr rein warpen etc.

Der endlose Wettkampf zwischen Gamern
StarCraft II war sehr lange in der Multiplayer-Beta. Das hat natürlich einen guten Grund: Bei Blizzard-Spielen geht man generell von einem perfekten Balancing aus, bei Titeln wie StarCraft oder Warcraft ist nochmals mehr Mühe geboten. Dies hat sich schon in der Beta ausgezahlt. Wer einmal gegen einen gleichstarken und dann gegen einen ProGamer als Gegner gespielt hat, weiß, wie genau hier abgewogen wurde. Dank des im Spiel integrierten Replay-Systems, könnt Ihr Eure schönsten Siege und bittersten Niederlagen immer wieder erleben. So lernt Ihr aus Fehlern, seht was in welcher Situation funktioniert und wie es professionelle Spieler machen.

Natürlich gelten bei StarCraft II im Multiplayer-Bereich ganz andere Regeln. Hier geht es nicht um das geniale Storytelling, die schöne Grafik und verschachtelte Aufgaben. Hier geht es nur darum, wer am schnellsten und effektivsten seine Truppen aufbaut. Wir maßen uns nicht an, perfekt aus eSport-Sicht über StarCraft II urteilen zu können. Deshalb muss man sich darauf verlassen, was in den Wettbewerben stattfindet. Und schon in der Beta gab es Turniere, bei denen eines klar wurde: StarCraft II ist schon verdammt nah am perfekten Balancing. Die Zukunft wird zeigen, was hierbei noch gefixt werden muss. Aber wie wir es von Blizzard kennen, wird das Produkt sicherlich konstant betreut und verbessert. Nur so kann ein Spiel nah an der Perfektion sein – durch konstantes Nachbearbeiten von Ecken und Kanten. Und das ist auch für ältere Produkte aus dem Hause der Kalifornier immer noch gegeben.

Speicherhunger und Speichersystem
Es mag an unserem Testrechner gelegen haben, aber ein paar kleinere Dinge sind noch fehlerhaft. Diese sind nicht besonders bedrohlich, aber genannt werden müssen sie. Zum Einen verbraucht StarCraft II gern viel Speicher. Unter Windows solltet Ihr unter 4 Gigabyte Hauptspeicher nicht versuchen, die besten Einstellungen zu nutzen. Dazu kommt, dass es bei uns praktisch jedes Mal Probleme gab, wenn wir aus der Kampagne einfach ausgestiegen sind. Im Hauptauswahlbildschirm wurde uns dann nur angezeigt, dass wir eine Mission fortführen könnten, die wir schon lange fertig hatten. Also: Auch persönlich nach jeder Mission speichern, wenn Ihr wieder an Bord des Raumschiffs „Wings of Liberty“ seid. Solltet Ihr dies einmal vergessen, ist das kein Beinbruch, da das Spiel selbst sehr oft Autospeicherungen vornimmt. Einfach die letzte Minute der alten Mission nochmals spielen und alles ist okay. Hoffen wir, dass hier noch in einem Patch nachgearbeitet wird – auch wenn es wahrscheinlich nur sehr wenige Leute betrifft.

Fazit:
StarCraft II: Wings of Liberty ist der neue Genrekönig und das beste Echtzeitstrategiespiel, das es zurzeit gibt. Um an diese Form der Erzählung, der Vielfalt und der Tiefe heranzukommen, wird der Wettbewerb noch einiges lernen müssen. Aber es ist keine Schande, vom Besten zu lernen. Insgesamt ist StarCraft II: Wings of Liberty so gut geworden, dass wir uns entschlossen haben, ab sofort Awards zu vergeben. Diese Awards gehen mit einer Punktewertung einher. Normalerweise vergeben wir keine Punkte in einem festen Schema, aber ab sofort werden die schlechtesten und besten Vertreter eines Genres mit Punkten und positiven oder negativen Awards bewertet. StarCraft II: Wings of Liberty ist ein Spiel, das jeder gespielt haben sollte. Stunden über Stunden Spaß mit der Kampagne, den Szenarien und dazu noch ein Multiplayer, der das Genre definieren wird.