0
Posted 3. September 2010 by Martin Weber in News
 
 

Tom Clancy’s Ghost Recon: Future Soldier – Now you see ‚em, now you don’t


Dass selbst Military-Shooter gewissen Trends unterworfen sind, konnten wir in den letzen Jahren nachverfolgen. Da konnte man in einer Vielzahl simultan erscheinender Games den Strand der Normandie erstürmen, später dann in Wüstengebieten gegen zeitgenössische Feinde die Waffen erheben, bis man wie derzeit in asiatischen Gebirgsgegenden irgendwelchen Milizen die Turbane vom Kopf ballert. Der Krieg ist offenbar jetzt auch spielerisch in der Gegenwart angekommen. Was danach kommt, wissen nur die Zukunftsforscher… oder Konstrukteure, die derzeit im Geheimen an neuen Waffensystemen und Kampfausrüstungen arbeiten.

Ubisoft hat recht konkrete Vorstellungen, wie das Schlachtfeld der Zukunft aussehen könnte – das schließt selbstverständlich die Kämpfer mit ein. Diese rekrutieren sich nicht mehr aus einer beängstigenden Anzahl schwer bewaffneter Armisten, sondern aus einigen wenigen Spezialisten. Die Ghost-Einheiten bestehen aus Elite-Soldaten, die hoch technisiert in den Kampf geschickt werden. Diese Auslese hat modernste Mittel Gegner ebenso diskret wie präzise auszuschalten. Das Wichtigste ist dabei nicht die Waffe, sondern der Tarnanzug. Und der wird sich laut Clancy in den nächsten Jahren so weit entwickelt haben, dass die Marines tatsächlich in einen Unsichtbarkeitsmodus gehen können.

Mit diesem Wunderwerk der Technik schleicht sich der Trupp ganz nah an die Feinde heran, bis diese im Nahkampf ausgeschaltet werden. Wenn die gegnerischen Wachen bemerken, was gespielt wird, ist es schon zu spät. Gelegenheit haben sie nicht mehr, ihre Garnison zu warnen, denn die Nahkämpfer aus Ghost Recon sind erprobt im leisen Töten. Nicht ein Schuss braucht dabei abgefeuert zu werden, um die Mannschaft ins Einsatzgebiet einzuschleusen. So weit hergeholt ist diese Technologie übrigens nicht: Forscher entwickeln bereits seit längerer Zeit einen Anzug, der seine Umgebung mit eingewebten Mikrokameras erfasst und auf den Stoff projiziert. Dadurch wird der Träger zu einer wandelnden Leinwand und praktisch unsichtbar.

Kommt es dann zu einer Offensive, lassen die Soldaten der Zukunft eher kämpfen. Sie setzen gepanzerte Kampfdrohnen ein, die Gegner aus dem Weg räumen. Der Spieler steuert dann die Drohne, hat die Umgebung dabei stets im Blick. Auch aus der Luft geben Flugdrohnen Signale an die Bodentruppen, um Aufschluss über das Gebiet zu geben, Feindbewegungen zu registrieren und genaue Positionen des Gegners an das Team zu funken. Solche unbemannten Aufklärer sind auch in der Realität bereits seit Längerem im Einsatz, ebenso wie die direkte Verbindung mit dem befehlshabenden Offizier. Mit Knopf im Ohr kann jede weitere Order empfangen und entsprechend darauf reagiert werden.

Manchmal sind Schießereien mit dem Kontrahenten trotz aller Technik und gebotenen Vorsicht unumgänglich. Dann ist es beruhigend, dass sich im Team insgesamt drei verschiedene Waffengattungen befinden. Ein Scharfschütze kann weiter entfernte Ziele ausschalten, während der herkömmliche Infanterist auf dem Umgang mit dem Sturmgewehr versteht. Ein weiterer Spezialist bedient die bereits erwähnten Übewachungsdrohnen. Die se Konstellation sollte eigentlich ausreichen, um schnell Herr der Lage zu werden und die Gefechte zum eigenen Gunsten drehen zu können.

Vergessen sollte man nur nicht, dass sich die Zeit eben für alle Parteien gleich schnell gewandelt hat. Auch die Gegner haben Technik, die sie einsetzen, um sich gegen die Ghost-Einheiten behaupten zu können. Leicht werden die Scharmützel also nicht sein. Aber so kennen wir die Spiele der Ghost Recon-Reihe ja auch: Strategie, Anspruch und Geschicklichkeit treffen hier aufeinander, um ein möglichst spannend-realistisches Bild vom Militär haben zu können, ohne sich gleich für Jahre beim Militär verpflichten zu müssen.  Im Multiplayermodus werden sicher interessante Kooperationen entstehen, um taktisch wichtige Gebiete befreien zu können. Im Solo-Spiel agieren die Kameraden automatisch und stehen dem Spieler entweder hilfreich zur Seite, oder weisen ihn selbst an.

Auffällig war in der Präsentation der hohe Blutgehalt. Im Nahkampf wurden die Gegner schnell und lautlos unschädlich gemacht, wobei durchaus nicht diskret weggeblendet wurde. Auch bei den Feuergefechten gab sich der Titel nicht zimperlich. Krieg ist nun mal ein dreckiges Geschäft, bei dem Tod und Gewalt ständige Begleiter der Soldaten sind. Diese Atmosphäre wurde auch sehr gut und authentisch eingefangen. Hier und da wurde der Umgebungsrealismus durch grobe Texturen unterbrochen, aber insgesamt waren die gezeigten Kulissen malerisch. Wenn die Truppen am Strand landen, will man lieber dort auf Sightseeing verweilen als sich mit Gegnern herumzuärgern.

Selbst wenn wir nicht Hand anlegen konnten, so beeindruckten sowohl Sound, als auch die Waffenvielfalt. Mit Raketenwerfern, Sniper-Rifles, Sprengwaffen oder Sturmgewehren ist ein ansehnliches Repertoire an Bord, mit dem sich doch bestimmt so ein Konflikt gewinnen lässt. Wenn dann auch noch die taktische Komponente stimmt, ist der Krieg so gut wie gewonnen. Da sich die Ghost Recon-Reihe durch eine gute Bedienung auszeichnet, gehen wir einmal nicht von einem Rückschritt aus. Wirklich aussagekräftig ist eine Demonstration allerdings erst, wenn man selbst einmal in den Tarnanzug schlüpft und mit Joypad in den Händen die Verteidigungslinie des Widersachers durchbricht. Der Ernstfall wird dann endlich bei Release eintreten. Das Datum hat sich aber vorerst auf das erste Quartal 2011 verschoben.

Ersteindruck:
Die Vorführung auf der gamescom machte jeden Fan heiß. Das jucken im Abzugsfinger war bei jeder Szene dabei, die Vorfreude gegen Ende der Präsentation übergroß. Hier muss man den Entwicklern schon einmal im Vorfelde ein Kompliment machen, denn mit Ghost Recon: Future SOldier hat Ubisoft ein wirklich heißes Eisen im Feuer. Tarnanzüge, die den Soldaten unsichtbar machen, neue Waffensysteme und Hi-Tech-Drohnen alleine reichten ja schon aus, um der Veröffentlichung entgegen zu fiebern, aber freischaltbare Features und pfiffige Maps steigerten diese Lust auf mehr doch noch gewaltig. Auch wenn das Releasedatum nach hinten gewandert ist, so bleibt die Hoffnung, dass der Titel sogar noch weiter reifen kann und eventuell noch ein bisschen optisch zulegt. Freunde der Serie können sich ungeachtet dieser Details auf ein weiteres würdiges Abenteuer freuen.