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Legacy of Kain: Soul Reaver – Retro-Review [Retro-Serie Teil #1]

Von Daniel Wendorf • Sep 7th, 2010 • Kategorien: News, Reviews

 

legacyofkain_logo Als 14-jähriger Steppke (ja, bei mir passt das ganz gut) machte ich eines Tages im Medienmarkt um die Ecke ziemlich große Auge. Da war diese unfassbar gut gerenderte Zwischensequenz, in der einem geflügelten Wesen die Schwingen abgerissen werden – abschließend wird es wie ein Kadaver in einen Abgrund geschmissen. Beeindruckend – für jemanden, der lediglich ein N64 besaß und zusehen musste, wie die PlayStation den guten Modulschlucker mit einem Filmchen deklassierte. Das Interesse am Spiel war geweckt, aber erst über acht Jahre später konnte ich Legacy of Kain: Soul Reaver zum ersten Mal spielen. Und erst da wurde mir bewusst… was ich verpasst hatte. Vampire, Vampire! In der Hauptrolle: Ex-Vampir Raziel, vor seinem Flügelverlust in den Diensten des finsteren Herrschers Kain. Der ist eine echte Diva und verbannte Raziel, weil er durch die Flügel evolutionär im Vorteil war. Folge für Raziel: Flügel weg, Leben ausgehaucht, Unterkiefer verschollen, Aussehen demoliert. Getrieben von Rachegelüsten treibt es ihn als Wanderer zwischen den Welten durch das gothisch geprägte Nosgoth. Entsetzt muss Raziel bald feststellen, dass zwischen seinem Ableben und der Wiederauferstehung Jahrhunderte vergangen sind und sich das Gleichgewicht zwischen den Vampirclans merklich verschoben hat. Nicht nur das: Die einst edlen Geschöpfe werden zu wilden Bestien, verhalten sich wie Tiere, unterdrücken die Lebenden gnadenlos und reißen Nosgoth langsam aber sicher in den Abgrund. Heutzutage sind Vampire, nicht zuletzt wegen der Twilight-Filme, schwer angesagt. Und für mich als Fantasy-Muffel muss ich sagen: Kitsch, Liebe, Stereotypen – wird man hier nicht finden. Glücklicherweise! Ähnlich wie das zur gleichen Zeit erschienene Shadowman ist Soul Reaver beklemmend, brutal und alles andere als einladend; das Jenseits wird als eine düstere Parallelwelt gezeichnet, in der die Freude gänzlich verschwunden ist. Legacy of Kain: Soul Reaver bedient sich dem Artus-Prinzip der Anderwelt: Dies- und Jenseits liegen “übereinander” und Raziel besitzt die Möglichkeit, an bestimmten Punkten in die andere Ebene zu wechseln. Notwendig ist dies, um Rätsel zu lösen oder Feinde zu umgehen, neue Wege zu erschließen und storyrelevante Hinweise auf das Vergangene zu finden. Clever: Kommt Raziel mit Wasser in der materiellen Welt in Berührung, stirbt er und wird zurück in die Spektralwelt geschickt. Die kniffligen Sprung-Sequenzen benötigen einiges an Geschick, ein falscher Schritt und schon darf man den ganzen Parcours nochmal bewältigen. Immerhin: Da Raziel schon tot ist, kann er nicht sterben. Warum spielen? Was Legacy of Kain: Soul Reaver heute noch spielenswert macht ist nicht nur die fantastische Geschichte, sondern auch die audiovisuelle Umsetzung. Während etliche Titel bereits nach wenigen Jahren angestaubt und antiquiert wirken, fesselt Soul Reaver noch immer. Das düstere Szenario ist fein texturiert, mit etlichen netten Details versehen und mit absolut flüssigen Animationen versehen. Abgesehen vom Nebel gibt es dahingehend nichts zu meckern. Als Multiplattform-Titel muss man jedoch einschränken: Die PlayStation-Variante sieht gut aus, die PC-Version hat ein ähnliches Resultat. Doch die Dreamcast-Version ist klar die hübscheste Version, da man Raziel mehr Polygone spendiert hat und auch die Texturen-Größe hochschrauben konnte. Randnotiz: Viele Spielemagazine hoben das Streaming der Leveldaten besonders hervor – Soul Reaver schmückt sich bis heute mit den Federn, das erste Spiel auf Disc ohne lästige Ladezeiten gewesen zu sein. Einmal eingelesen, fühlt sich Nosgoth tatsächlich wie eine große, zusammenhängende Welt an. Akustisch macht sich das Alter auf einigen Systemen bemerkbar: Die Sprachausgabe ist auf der betagten Sony-Konsole blechern und kratzig, Geräusche fallen gut und gerne mal komplett aus. Dreamcast und PC hingegen geben alles in feinstem Stereo wieder, der orchestrale Soundtrack bläst auch heute noch gut durch die Boxen. Die Steuerung mag Geschmackssache sein – mir persönlich gefällt da das Sony-Pad besser als der Dreamcast-Controller, von der Tastatursteuerung würde ich komplett abraten. In Sachen Komfort ist auch die Kamera zu erwähnen, die gut und gerne rumbockt und sich nur mühsam justieren lässt. Soul Reaver wurde gerne mit Tomb Raider verglichen – nicht ganz unpassend, doch im Gegensatz zu Ms. Croft ist Raziel erheblich agiler und direkter. Nach etlichen Stunden puren Spielspaßes habe ich dann – nach über acht Jahren – endlich das Outro gesehen und mir sogleich den zweiten Teil der Soul Reaver-Saga zugelegt. Den habe ich noch nicht gespielt – kommt aber noch. Legacy of Kain: Soul Reaver ist also eine Empfehlung und überdies mit gut 5,- Euro auf jeder Plattform ein echtes Schnäppchen. Fans von Vampiren, Action-Adventures und gute Geschichten sollten zulangen.
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