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Posted 14. September 2010 by Philipp Rogmann in Allgemein
 
 

Special: Grundtechniken, um ein guter Strategiespieler zu werden


Nachdem wir vor ein paar Wochen grundlegende Taktiken vorgestellt haben, die Euch vom Anfänger zu einem Spieler mit der Möglichkeit zu gewinnen machen sollten, gehen wir jetzt noch einmal auf grundlegende Trainingseinheiten ein. Diese einfachen Übungen sollen Euch helfen, noch mehr Spaß in Echtzeitstrategietiteln zu haben. Warum trainieren, macht das nicht den Spaß kaputt? Fragt Euch selbst: Macht Verlieren Spaß?

Die einfachen Grundlagen
Wenn Ihr unser Special „StarCraft II: Vom n00b zum Pro“ gelesen habt, ist Euch vielleicht bewusst, dass die Reihenfolge des Bauens Eurer Einheiten und Gebäude (die so genannte Build Order) sehr wichtig ist. Hier gehen wir aber noch ein bisschen mehr an den Anfang und gehen auf bestimmte Grundideen ein, die Ihr verinnerlichen müsst, um ein Echtzeitstrategiespiel wie StarCraft II, Warcraft III oder Command & Conquer gut zu spielen und zu gewinnen. Es geht um reproduzierbares, stetiges Gewinnnen – nicht um den einen Zufallssieg mit einer vorgefertigten Taktik.

1. Grundsatz: Speed is King!
In einem Echtzeitstrategiespiel ist nichts so wichtig wie Geschwindigkeit. Eure Aktionen pro Minute (APM) müssen aus verschiedensten Gründen hoch sein. Zuallererst könnt Ihr durch Geschwindigkeit vordefinierte Taktiken schneller anwenden. Das heißt aber auch: Hotkeys / Schnellwahltasten lernen. Wer erst mit der Maus suchen muss, wo sich ein Befehl oder eine Einheit befindet, verliert Zeit und diese Zeit ist sehr kostbar in einem Echtzeitstrategiespiel. Wenn Euer Gegner nicht suchen muss, steht er – trotz gleicher Grundchancen – auf einmal mit einer Armee vor Eurer Basis.

Geschwindigkeit bedeutet aber ebenfalls, dass Ihr immer wisst, wo Eure Arbeiter, Eure Armee, Eure Gebäude sind und wie Ihr sie schnellstmöglich wieder in den Fokus bekommt. Einige Spiele – wie StarCraft II – lassen Euch nicht nur Einheiten gruppieren, sondern für jede Gruppe und jedes Gebäude auch einen Hotkey vergeben. Das ist ideal, denn so könnt Ihr vom Kampf in die Basis springen und neue Einheiten nachproduzieren und gleich wieder zurück in den Kampf springen – mit einem Klick. Geschwindigkeit in einem Echtzeitstrategiespiel hat auch viel mit automatisierten Bewegungsabläufen zu tun. Das kann man trainieren. Wenn Ihr nicht mehr darüber nachdenken müsst, wie Ihr Gebäude baut und welche Einheit wann und wo hin muss, könnt Ihr schon während der Aufbauphase Taktiken vorbereiten.


Ganz so schnell müsst Ihr nicht sein, aber Ihr seht, wo es hingeht

Zusammenfassend lässt sich also sagen: Lernt die Schnellwahltasten, die Abkürzungen und automatisiert möglichst viele Bewegungsabläufe. Der schnellere Spieler, der alle diese Eigenschaften aus dem Ärmel schütteln kann, wird in Echtzeitstrategiespielen im Normalfall gewinnen – zusammen mit den anderen Grundlagen, die wir hier noch nennen. Nicht vergessen: Im Gegensatz zu den Ressourcen, die Ihr konstant sammelt, könnt Ihr Zeit nicht zurückgewinnen.

2. Grundsatz: Know your enemy!
Alle Aufbauarbeit und Taktik nutzt nichts, wenn Ihr nicht wisst, was der Gegner baut oder wo genau er ist. Bereitet er einen Rush – einen schnellen Angriff – vor, baut er eine Riesenarmee, hat er schon Erweiterungen gebaut? Ihr wisst das nicht? Dann habt Ihr in vielen Fällen schon verloren. Während es in einigen Echtzeitstrategiespielen extra Einheiten gibt, die Ihr zum Erforschen des Geländes nutzen könnt, müsst Ihr Basiseinheiten in anderen Spielen nehmen. Wenn Ihr das nicht tut, habt Ihr einen echten Nachteil. Findet Ihr gleich zu Anfang die Basis des Gegners und seht, was er baut, könnt Ihr Eure Strategie daraufhin ausrichten.

Schickt also gleich eine Einheit an die einzelnen Punkte, wo der Gegner sein könnte. Setzt Wegpunkte und sobald Eure Einheit den Feind gefunden hat, ist es eine gute Idee, die Einheit so zu verstecken, dass sie möglichst lange unentdeckt bleibt. So seht Ihr, was der andere vor hat. Eine weitere gute Strategie ist es, eine Einheit an den nächstmöglichen Ressourcenpunkten zu haben. Seht Ihr, dass der Gegner versucht, seine Erweiterung bzw. Ausbreitung auf der Karte voranzubringen, wisst Ihr Bescheid und könnt die Erweiterung entweder unterbinden oder die Hauptbasis angreifen (perfekt, da zu diesem Zeitpunkt im Normalfall die Ressourcen gebunden sind, um die neue Erweiterungsbasis bauen zu können).

Zusammenfassend zu diesem Punkt: Seid von vornherein unterwegs mit Einheiten, die dafür sorgen, dass Ihr nicht nur wisst, wo genau der Gegner ist, sondern auch was er baut. So könnt Ihr Eure Taktik darauf auslegen. Wegpunkte und billige Einheiten zum Scouten sind die Schlüssel.

3. Grundsatz: Ressourcen richtig nutzen!
Sieht viel Geld auf einem Kontoauszug gut aus? Ja! Solltet Ihr deshalb in einem Echtzeitstrategiespiel Ressourcen anhäufen? Nein! Was helfen Euch massive Ressourcen, wenn der Gegner auf einmal in Eurer Basis steht? Nichts. Denn dann ist es meistens zu spät, viele Einheiten nachzubauen. Ihr habt schlicht nicht die Zeit dazu. Ihr müsst immer am Limit spielen, die Ressourcen verwenden, um Eure Einheiten und Gebäude zu bauen bzw. zu verbessern. Außerdem sollten immer Arbeiter gebaut werden, um die Ressourcen abzubauen. So habt Ihr einen stetigen Fluss von neuen Ressourcen, die Eure Armee und Infrastruktur vergrößern.

4. Grundsatz: Build Order kennen!
Es geht um Geschwindigkeit – wie wir schon festgestellt haben. Also heißt das im Umkehrschluss auch, dass Ihr ohne nachzudenken Eure Grundstruktur aufbaut. Während Eure Einheiten feststellen, wo der Feind was baut, baut Ihr nach einem festgelegten Plan Eure Infrastruktur auf. Natürlich nicht so starr, dass Ihr nicht aufpasst, ob der Gegner etwas baut, auf das Ihr keine Antwort habt. Aber die Basis muss abgesichert sein, Grundeinheiten zur Verteidung gegen und zur Störung des Gegners müssen automatisiert vom Band laufen. Ihr habt schlicht keine Zeit, über solche Schritte nachzudenken.

Ein Strategiespiel soll Spaß machen, das ist klar. Das heißt aber nicht, dass Ihr nicht Sachen lernen könnt, die Euch einen Vorteil bringen. Auswendig lernen hilft, dass Ihr Euch auf andere Dinge konzentrieren könnt. Baut die richtigen Einheiten zur richtigen Zeit, stellt die Gebäude strategisch richtig und sorgt dafür, dass Ihr nicht überrannt werden könnt. Dann ist immer noch Zeit, auf den Gegner zu reagieren oder – im Idealfall – zu agieren, bevor der Gegner weiß, wie ihm geschieht.

5. Grundsatz: Konter kennen!
In den meisten Echtzeitstrategiespielen – sofern sie denn fair vom Balancing sind – gibt es für jede Einheit bei jeder Fraktion einen Konter oder ein Gegenstück. Wenn der Gegner mit bestimmten Bodeneinheiten angreift, müsst Ihr sofort wissen, was Ihr bauen müsst, um dieser Gefahr entgegen zu treten. Schaut Euch Profis an und haltet nicht fest an Einheiten, die Ihr persönlich gut findet. Es hat Gründe, dass gewisse Einheiten niemals gespielt werden – die Profis wissen warum. Auch hier heißt es wieder: Lernen. Wenn Ihr jederzeit den richtigen Konter spielen könnt, werdet Ihr nicht überlaufen und könnt immer richtig reagieren.

Es mag wirklich merkwürdig erscheinen, aber auch wenn Ihr keine Profis werden wollt, die jeden Tag mehrere Stunden trainieren, solltet Ihr trotzdem einige Dinge lernen und automatisch abspulen können.

6. Grundsatz: Strategien richtig einsetzen!
Wenn Ihr gegen einen anderen Spieler ein Echtzeitstrategiespiel spielt, wollt Ihr ihn besiegen. Es gilt also, einen Plan zu haben, wie Ihr den anderen schlagt. Das heißt wiederum, nicht einfach Einheiten zu bauen, weil sie gut aussehen, sondern einen Zweck zu verfolgen. Auch hier kann man sich unheimlich viel von Profis abschauen. Seht Ihr eine Strategie, den anderen zu überrennen, schaut Euch an, welche Einheiten am besten funktionieren und in welcher Reihenfolge sie gebaut werden müssen. Schaut ebenfalls darauf, wie einzelne Strategien abgewandelt werden können, um auf unvorhersehbare Vorkommnisse zu reagieren.

Spielt bestimmte Dinge nicht nur, weil sie Euch gerade gefallen. Habt einen Grundplan, wie Ihr den anderen schlagen wollt. Dann könnt Ihr im Notfall noch reagieren, aber der Zweck muss sein, den anderen zu besiegen.

Zusammenfassung:
In diesem Special sind wir noch nicht einmal auf fortgeschrittene Techniken wie Micromanagement (einzelne Einheiten von Gruppen zu steuern, um mit jeder Einheit die besten Ergebnisse zu erreichen) etc. eingegangen. Dennoch sind diese Grundlagen überlebenswichtig, wenn Ihr besser in Echtzeitstrategietiteln werden wollt. In den nächsten Tagen wird es noch ein bisschen tiefer in die Materie gehen, wenn wir über das oben genannte Micromanagement und Synergieeffekte von Einheiten sprechen.