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Posted 3. Februar 2010 by Philipp Rogmann in Plattform
 
 

MAG – Mehr ist einfach mehr


Der neueste Titel aus dem Hause Zipper Interactive und Sony Computer Entertainment spart nicht mit Superlativen. Noch nie gab es so viele Spieler, die gleichzeitig auf einer Karte spielen konnten. Mit 256 Soldaten auf den virtuellen Schlachtfeldern, ist MAG auf Größe ausgelegt. Aber schafft es der Titel, auch Klasse zu beweisen und – was noch wichtiger ist – keine totale Verwirrung bei so vielen Spielern aufkommen zu lassen? Wir haben uns ins Gefecht gestürzt.

War is all around
MAG spielt nach Ende des Dritten Weltkriegs, in einer Welt, in der Regierungen keinerlei Relevanz mehr haben. Die Wirtschaft ist zusammengebrochen und während die Zivilisation im Chaos versinkt, kämpfen private Sicherheitsfirmen im Geheimen um die Macht in der neuen Weltordnung. Sie führen einen globalen erbitterten Schattenkrieg. Offiziell sind die privaten Militärunternehmen dafür angeworben, um die Ordnung wiederherzustellen. Aber es geht um Milliardensummen und deshalb sind die inoffiziellen Missionen das, was den Krieg im Schatten weiterführt.

Die drei größten privaten Militärunternehmen sind S.V.E.R., Raven und Valor. Für sie geht es um die lukrativen Aufträge, die die Welt am Laufen halten. Und somit geht es auch für Euch genau darum, denn je nachdem, wie die jeweilige Militärorganisation auf dem Schlachtfeld performt, werden die Karten neu gemischt. Und wer sind die Rekruten, die die Reihen von S.V.E.R., Raven und Valor füllen? Ihr natürlich.

Unter welcher Flagge?
Nach der obligatorischen Trainingsmission, geht es für Euch aufs Schlachtfeld. Allerdings müsst Ihr vorher Euer virtuelles Alter Ego anpassen und Euch einer der Sicherheitsarmeen anschließen. Die einzelnen Unternehmen unterscheiden sich nur optisch, repräsentieren aber verschiedene Weltregionen. Während S.V.E.R. aus dem tschetschenischen Untergrund entstanden ist und die meisten Rekruten aus Russland, Indien und China kommen, ist Raven ein hoch technisiertes Unternehmen mit Sitz im ehemaligen Österreich. Dementsprechend kommen die meisten Soldaten von Raven aus Europa. Valor ist das, was von der früheren Militärmacht der USA übrig geblieben ist.

MAG arbeitet mit einem klassischen Erfahrungssystem: Für jeden Sieg, jeden Abschuss und erfolgreich abgeschlossene Aufgabe bekommt Ihr Punkte und könnt diese für Waffen-Upgrades und neue Skills eintauschen. Somit könnt Ihr Euch in die gewünschte Karriererichtung entwickeln – denn grundsätzlich stehen Euch nur drei Optionen zur Verfügung: Scharfschütze, Assault und Heavy. Je höher Ihr im Level steigt, desto mehr Grundausstattungen könnt Ihr zusammenstellen. Wichtig sind aber neben Waffenupgrades (wie zum Beispiel optische Visierungen, schnellere Magazinwechsel etc.) auch die Fähigkeiten, die mit Eurer Person zu tun haben. Sei es schnelleres Laufen, bessere Gesundheitswerte oder schnelleres Erkennen, von wo gegnerisches Feuer kommt: Die Möglichkeiten sind schier endlos.

Wirklich so viele?
Bevor Ihr auf das Schlachtfeld mit 255 anderen Spielern losgelassen werdet, müsst Ihr Euch erst Eure Sporen verdienen und in einem Deathmatch-Modus gegen die eigene Fraktion antreten. Ein Team von 32 Spielern verteidigt, ein anderes Team mit ebenfalls 32 Spielern muss die Basis der Gegner zerstören. Habt Ihr Level 4 erreicht, geht es richtig los und der Kampf geht weltweit los. Doch erst mit Level 15 stehen Euch alle Möglichkeiten offen und Ihr könnt Euch selbst zum Kommandanten wählen lassen.

Theoretisch sollte also alles passen, um MAG auf den Genrethron zu hieven. Die Steuerung ist einfach und jeder, der Shooter kennt, kommt schnell damit zurecht. Es ist das Gameplay, was manch einen Spieler zur Verzweiflung bringen wird. Klar, wer es schafft, die teilweise extrem schwer zu bewältigenden Missionsziele zu erreichen, kann sich auf viele Erfahrungspunkte freuen. Aber auf einem öffentlichen Server dafür zu sorgen, dass alle als Team zusammenspielen, ist erfahrungsgemäß extrem schwierig. Zu viele Egotypen versauen Euch die Taktik, wenn Ihr versucht, ein guter Kommandant zu sein. Deshalb ist MAG mal unglaublich genial, mal nervenzerreissend grausam. Das liegt nicht an Programmierungsfehlern oder der künstlichen Intelligenz von Computergegnern, sondern schlicht an echten Menschen.

Da in den Riesenschlachten die einzelnen Sektoren abgeteilt sind und jeder mit 64 Mann seinem Einzelziel folgt, kann es leicht dazu kommen, dass Ihr zwar eine tolle Truppe habt, aber das Gesamtziel nicht erreichbar ist, weil ein paar Möchtegern-Rambos in anderen Platoons ihren eigenen Weg gehen. Es könnte alles so gut laufen, wenn alle an einem Strang ziehen würden. Wenn das aber mal passiert, ist MAG einfach grandios. Und Ihr merkt schnell, wie viele Spieler da miteinander zusammenarbeiten. Was Ihr dann nur noch braucht, ist Ruhe und viel Zeit. Denn die Riesen-Maps dauern sehr lange. Versucht übrigens nicht, MAG ohne ein Headset zu spielen. Das mag am Anfang auf den Deathmatch-Karten noch funktionieren, aber sobald es darum geht, direkt mit Eurem Squadleader zu sprechen, verliert Ihr ohne Headset die Orientierung. Nur ein straff geführtes Team kann Einzelaufgaben erledigen.

Fazit
MAG ist durchdacht, grafisch ansprechend und wie ein klassischer Shooter leicht zu bedienen. Der Netcode der Server ist bemerkenswert gut programmiert, es kommt fast nie zu großer Latenz (das Todesurteil für einen Shooter). Durch das Belohnen von Teamwork haben die Programmierer versucht, Einzelgängertum zu verhindern. Das funktioniert manchmal – manchmal aber auch nicht. Die Zeit muss zeigen, ob MAG gegen die Konkurrenz von Modern Warfare 2 oder dem kommenden Battlefield: Bad Company 2 bestehen kann. Besonders wichtig ist: Bleiben die Spieler dem Titel treu? Denn ohne Menschen, keine Massenschlachten. Vorteil von MAG – neben dem Spaß und den gut strukturierten Missionen im Felde – ist, dass Ihr wirklich merkt, wie groß die Schlacht ist, in der Ihr Euch befindet. Dagegen ist in Modern Warfare 2 eher intim.