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Posted 25. November 2010 by Philipp Rogmann in Kino
 
 

Fair Game – Spannender Spionagethriller über die wahre Geschichte einer Vertuschung




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Einen richtig guten Enthüllungsfilm zu machen, ist schwer. Wenn dieser dann auch noch auf der Wahrheit beruht und zu einem der größten Skandale der Bush-Administration geführt hat – seien wir ehrlich, da gab es einige – wird es schwieriger. Denn schließlich müssen Fakten abgewogen werden und die Geschichte darf nicht einseitig erzählt werden. Doug Liman, der schon für die Komödie Mr. & Mrs. Smith und die Bourne-Filme verantwortlich zeichnete, hat den Balanceakt geschafft und mit Fair Game einen spannenden, nachdenklichen Thriller gedreht, der nicht nur die Geschichte eines privaten Untergangs, sondern einige Fehler der Bush-Regierung mit einer brillant aufspielenden Darstellerrunde auf die Kinoleinwand bringt.

Valerie Plame (gespielt von Naomi Watts) ist eine liebende Ehefrau und Mutter, geht ihren Geschäften nach und ist generell einfach nur eine normale Frau. Doch ein dunkles Geheimnis verbirgt sich hinter der bürgerlichen Fassade: Sie ist CIA-Agentin und ermittelt verdeckt für die Regierung. Dass sie sich dabei oftmals die Finger dreckig machen muss, ist klar. Als Valerie in den Irak geschickt wird, um Informationen zu den Waffenprogrammen von Saddam Hussein zu sammeln, merkt sie, dass Ihr Mann der Einzige ist, der ihr helfen kann. Also wird Joe Wilson (Sean Penn) mit CIA-Agenten zusammen in den vermeindlich nuklear bewaffneten Schurkenstaat geschickt, in der Hoffnung, dass er Beweise für Massenvernichtungswaffen findet. Doch er findet nichts. Im Gegenteil: Joe ist davon überzeugt, dass Hussein niemals solche Waffen hatte und so einen Deal auch nicht einfädeln könnte. Diese Aussage ist natürlich nicht das, was die Offiziellen hören wollen.

Alle Bilder (c) TOBIS Film

Getrieben von Gerechtigkeitssinn, will Joe Wilson nicht akzeptieren, dass die Bush-Regierung seine Analyse unter den Teppich kehrt. Er schreibt den Artikel “Was ich nicht im Irak fand…” für die New York Times und klagt die Machthaber in Washington an. Da er für die Administration nicht greifbar ist, enttarnt der CIA dafür seine Frau. Für Valerie ist aber verdecktes Ermitteln die Basis aller ihrer Aktivitäten und somit beginnt eine beispiellose Hetzjagd durch Freunde, Verwandte und die Presse. Valerie Plame soll dafür bezahlen, was ihr Mann getan hat. Um sie zu schützen, ist Joe Wilson ab sofort Dauergast in Talkshows, immer bestrebt, den Namen seiner Frau reinzuwaschen und zu zeigen, was gerade passiert: Die Regierung vertuscht, dass ihre Angriffe auf den Irak Unrecht waren und Unschuldige zu schaden kommen. Parallel gibt es noch eine Informantenfamilie, die in Bagdad auf die Hilfe von Valerie angewiesen ist: Sie müssen aus der Hauptstadt des Irak geholt werden oder sind zum Tod verdammt. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt.

Fazit:
Fair Game ist ein klassischer Spionagethriller, der alle Aspekte des Wahnsinns aufzeigt, der sich hinter verschlossenen Türen in Langley und Washington abspielt. Durch die Nähe zur Wahrheit (der Artikel erschien wirklich und die Hetzjagd auf die CIA-Agentin ebenfalls) schaffen es die Darsteller unter der Leitung von Doug Liman, ein bedrückendes Bild von der Ohnmacht im Angesicht der Staatsmacht zu zeichnen. Fair Game ist spannend inszeniert, schafft es, Action mit Ruhe zu verbinden und zeigt in eindrucksvollen Bildern, was passiert, wenn man sich gegen die Regierung der USA auflehnt – sei es gerechtfertigt oder nicht.