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Posted 19. März 2010 by Philipp Rogmann in Plattform
 
 

Metro 2033 – Nach dem Ende der Welt


Es ist das Jahr 2033 und der junge Artjom kennt die Welt um ihn herum nur zerstört. Nach dem nuklearen Feuer sind die wenigen überlebenden Menschen in den Untergrund gegangen und hausen in den Stationen und Tunneln der Moskauer Metro. Ein trostloses Leben, das von mutierten Ausgeburten der Kriegshölle bedroht wird. Doch jetzt geht es nicht mehr um das Abwehren von einfachen Mutanten – eine neue Gefahr bedroht das Überleben der letzten Menschen.

Der aussichtslose Weg
Mit dem 20. Geburtstag beginnt für Euch in der Rolle des Artjom der wahre Ernst des Lebens. Als der geheimnisvolle Hunter auftaucht und die so genannten Dunklen immer mehr Menschen töten und die letzten Bastionen der menschlichen Rasse bedrohen, liegt es an Euch, die Sache für immer zu beenden – egal zu welchen Kosten. Ihr begebt Euch auf einen Kreuzzug, der weit über das Vorstellbare hinausgeht und merkt schnell, dass Metro 2033 nicht der übliche Singleplayer-Shooter ist, den Ihr sonst so kennt.

Von Anfang an ist Metro 2033 sehr auf eine gute Entwicklung der Geschichte bedacht. Jenseits von Gegnermassen, die Ihr besiegen müsst, ist die feindliche Umwelt die größte Gefahr, die Euch bedroht. Ohne Gasmaske und Licht habt Ihr keine Chance. Diese Dinge sind aber keine immer verfügbaren Standards. Ihr müsst konstant darauf achten, dass die Maske durchhält und die Batterien Eurer Kopflampe aufgeladen sind. Sobald Ihr Treffer einsteckt, kann es passieren, dass Eure Maske zerstört wird und dann ist es egal, wie gut Ihr kämpft: Euer Tod ist nicht mehr abzuwenden. Tragt die Maske also nur, wenn es absolut notwendig ist.

In der bedrückenden Realität des post-apokalyptischen Moskau entsteht ein grandioser Shooter, dessen Atmosphäre nicht zuletzt deshalb so dicht ist, weil eben nicht nur die Kampfszenen und bekannten Elemente des Genres genutzt werden. Es ist der Realismus der einzelnen Basen, die Art wie die Menschen leben, sich bewegen und wie Ihr Aufgaben lösen müsst. Wichtigstes Tauschmittel in der Welt von Metro 2033 sind Patronen aus der Vorkriegszeit. Mit ihnen könnt Ihr alles kaufen, was Ihr für Eure Abenteuer braucht. Da inzwischen nur noch minderwertige Munition im Untergrund hergestellt wird, sind die Originalpatronen besserer Qualität und deshalb so wertvoll.

Die Hölle nach dem Ende der Welt
Grafisch ist Metro 2033 genial inszeniert. Das Spiel von Licht und Schatten, Effekte wie aufsteigende Dämpfe, Giftstürme etc. und flüssige Animationen verbinden sich zu einem stimmigen Bild, das eine Welt erschafft, der man sich nicht entziehen kann. Denn egal wie deprimierend die Metrostationen sind, Ihr werdet Euch nach kurzer Zeit nach dem Treiben und den Schein der Feuer sehen – in den Tunneln gibt es nur gefährliche Dunkelheit, den Hall der Klauen des Unheils auf Metall und Stein und Gefahr von überall.

Die Stationen sind – ebenso wie die Tunnel – sehr unterschiedlich und wurden mit einer unheimlichen Liebe zum Detail gebaut. Durch das Element der Erforschung erlebt Ihr ständig neue Stimmungen. Wenn Ihr unterwegs zwischen zwei Stationen seid und auf einmal in einem Tunnel steht, der weder von den Mutanten noch von den Menschen in Beschlag genommen ist und Euch wundert, warum sich hier niemand hintraut, merkt Ihr, wie sehr Ihr schon Teil des Spiels geworden seid. Und wenn es einfach unerträglich unter der Erde wird, streift Ihr Eure Gasmaske über und begebt Euch auf Erkundungsreise durch das, was von Moskau übrig geblieben ist.

Zur Grafik kommt noch der Soundtrack, die Stimmen der Darsteller und die Soundeffekte, die bedrückend die Realität vermitteln, in der Ihr Euch befindet. Und nach kurzer Zeit werdet Ihr Eure Anlage voll aufdrehen, damit Ihr merkt, wann sich Euch Gefahr nähert.

Es ist nicht Alles Gold…
Metro 2033 hat kleinere Probleme in Sachen künstliche Intelligenz und das reine Shooter-Gameplay ist etwas unpoliert. Das macht das Spiel nicht einfach, sondern teilweise deprimierend schwer. Mit einem besseren Zielsystem wäre das sicherlich etwas entspannter gewesen. Zuerst werdet Ihr auch das Gefühl haben, dass die Geschichte nicht stimmig ist, aber glücklicherweise gibt es hier keine Probleme. Schon in der ersten Szene wird der Grundstein zum Finale gelegt, aber der Sinn wird erst Stück für Stück klar und aufgedeckt. Solltet Ihr alles entdecken wollen, was Metro 2033 zu bieten hat, werdet Ihr über zehn Stunden in der Welt nach dem Armageddon verbringen.

Leider ist Metro 2033 ein reiner Singleplayer-Shooter. Man hätte hier sicherlich etwas wie bei Alien vs. Predator machen können und die eine Partei als Mutanten gegen Menschen kämpfen lassen können. Oder eben die Gesetzlosen des Untergrunds gegen die guten Menschen antreten lassen können. Die Entwickler haben darauf verzichtet und lieber die Geschichte komplett inszeniert. So ist der Singleplayer sehr gut und es ist kein halbgarer Shooter mit schlechtem Einzelspieler- und halbfertigem Mehrspielermodus geworden.

Fazit:
Metro 2033 ist eine stimmige Überraschung. Ein Shooter, der trotz der kleinen technischen Fehler im Gesamtbild brillant inszenierte Action und tolles Storytelling bietet. Die Atmosphäre verpackt das aussichtslose Leben von Artjom und das zerstörte Moskau in eine postapokalyptische Vision, die Euch viel Spaß machen wird. Alles in Allem kommt man als Liebhaber von Endzeitstorys und guten Geschichten an Metro 2033 nicht vorbei.