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Posted 9. April 2010 by Philipp Rogmann in News
 
 

Fallout: New Vegas – Interview mit Creative Director Chris Avellone


Während die Mannen von Obsidian Entertainment fleißig an Fallout: New Vegas arbeiten, bleibt immer noch Zeit für Interviews mit den kreativen Köpfen des nächsten potenziellen Bethesda Softworks-Superhits. Heute stellt sich der Creative Director Chris Avellone den Fragen und gibt einen Einblick in die Verfahrensweisen und die Arbeit bei Obsidian.

Noch gibt es keine weiteren Informationen zu Fallout: New Vegas, aber bei den Machern, die an dem Titel arbeiten, kann eigentlich nur etwas Gutes herauskommen. Nicht nur Avellone ist ein Urgestein der Branche – alle anderen im Team haben die Erfahrung und die kreative Energie, um das Spiel zu einem würdigen Nachfolger der erfolgreichen Fallout-Games zu machen.

Was ist Ihre Aufgabe bei Obsidian?
Ich bin Creative Director und für die Umsetzung der kreativen Ziele verantwortlich. Manchmal habe ich sogar einen positiven Einfluss. Ich stelle oftmals auch Fragen wie „Warum sollte das den Spieler interessieren?“.

An welchen Spielen haben Sie bereits gearbeitet?
Ich war Level Designer bzw. Senior Designer bei Fallout 2, der kompletten Icewind Dale-Reihe, Dark Alliance, Champions of Norrath, Neverwinter Nights 2 und Mask of the Betrayer. Außerdemwar ich verantwortlich für das Design von Planescape Torment, Star Wars –Knights of the Old Republic II: The Sith Lords (Mann, was für ein langer Titel), und Alpha Protocol. Zurzeit arbeite ich als Senior Designer an Fallout: New Vegas.Früher habe ich auch viel für Champions von Hero Games geschrieben. Das waren schöne Zeiten.

Was gefällt Ihnen am meisten an Ihrem Beruf? Und was am wenigsten?
Das Beste an meinem Job ist, dass ich nur den Flur hinunterlaufen muss, um mich auf meinen Knautschsack zu schmeißen. Das Schlimmste ist, dass ich nicht darauf schlafen kann, weil es nachts im Büro zu heiß ist.

Gibt es irgendwelche lustigen Anekdoten über Obsidian?
Alle unsere Büro-Unterschränke können herausgezogen und als zusätzliche Sitzgelegenheiten verwendet werden. Mit den Rollschränken könnten wir, wenn wir wollten, in die Korridore hinausfahren, um dort Autoscooter zu spielen. Aber ich darf in einem öffentlichen Forum nicht zugeben, dass wir so etwas auch wirklich tun.

Wie verlief Ihr Einstieg in die Welt der Videospiele? Gibt es irgendwelche Tipps, um seinen Fuß in die Tür zu bekommen?
Man hat mich gegen Software im Wert von 300 Dollar eingetauscht. Mein Ratschlag: am Ball bleiben und hart arbeiten. Irgendwann bekommt jemand Probleme – ein Herausgeber, ein Entwickler oder sonst jemand, der mehr Geld hat als man selbst. Dann muss man in die Bresche springen und für ein lächerlich niedriges Honorar die Lücke in der Produktion ausfüllen. Diese lächerlich niedrige Entlohnung ist aber unter Umständen immer noch mehr als das, was man in seinem geliebten vorherigen Job verdient hat, wie es bei mir der Fall war. Danach muss man nur noch in einem schrottreifen Dodge Omni quer durch die USA bis an die andere Küste reisen. Das ist eine wahre Geschichte.

Was war bisher der Höhepunkt Ihrer Karriere?
Die Drohungen durch Ron Perlman. Er war einfach nur müde. Im nächsten Spiel, bei dem er dabei war, durfte ich ihm erklären, dass er einen Transvestitendrachen spielen würde. Eine großartige Zeit. Und eine Zeit der Furcht. Obwohl, da gab’s noch was Besseres: Die Zeit im Studio mit Sheena Easton war großartig. Sie ist witzig und kann fantastisch Geschichten erzählen.

Was, würden Sie sagen, ist Ihr persönliches absolutes Lieblingsspiel?
Schwer zu sagen. Obwohl mir da schon ein paar alte Titel einfallen: Chrono Trigger, System Shock 2, Wasteland oder Ultima Underworld 1.

Auf welche Spiele freuen Sie sich jetzt schon?
Fallout: New Vegas … und Heavy Rain.

Was bringt Sie am Morgen dazu, aufzustehen?
Mein Wecker und die Endorphin-Entzugserscheinungen, die ich kriege, wenn ich keine Morgengymnastik mache.

Was war Ihr bisher schlimmster Job?
Die Arbeit als Campus-Aufseher. Was aber immer noch okay war. Der beste Job neben dem Spieledesign? Meine Statistenrolle als Krimineller in Hogan’s Alley – im FBI-Trainingszentrum des Dorfes Quantico im US-Bundesstaat Virginia. Nichts geht über einen Ausbildner der vorbeikommt und sagt „Heute spielst du einen Entführer. Nimm’ die Waffe hier und triff dich mit dem Rest deiner Gang im Billardsaal.“

Haben Sie noch andere Hobbys und Interessen? Was machen Sie so in Ihrer Freizeit?
Ich widersetze meine Hanteln gerne der Schwerkraft, laufe im April mit einem Wikingerhelm durch den Schlamm, entwerfe Cartoons für die hinteren Seiten des amerikanischen Rollenspiel-Comics Knights of the Dinner Table, bringe ab und zu mal einen Star Wars-Comic heraus und braue die abartigsten Mixgetränke zusammen.

Wir haben gehört, dass Sie ein 2-Pfund-Steak verputzen können und danach immer noch genug Platz für den Nachtisch haben. Sind Sie ein Kampfesser?
Während Sie die Frage gestellt haben, hab ich mich schon halb durch das nächste Steak gearbeitet.